Titus-Bogen

File 725Der Titus-Bogen auf dem Forum Romanum ist der älteste erhaltene Bogen in Rom und dank seiner Einbeziehung in eine mittelalterliche Befestigungsanlage der Adelsfamilie Frangipani noch heute in recht ansehnlichem Zustand. Giuseppe Valadier legte den Bogen 1822 frei und ersetzte die fehlenden Pfeiler an den Ecken der Attika durch Pfeiler aus römischen Travertin. Valadier, auch der berühmte Architekt und Gestalter der Piazza del Popolo in Rom, vollbrachte mit seinen Restaurierungsarbeiten am Titus-Bogen eine der frühesten Leistungen in römisch-antiker Denkmalpflege. Seine Arbeiten hat er zusätzlich auf der zum Forum Romanum zeigenden Inschrift auf der Attika festgehalten.
 

Die Inschrift auf der Gegenseite ist original und berichtet von der Errichtung eines Bogens für den göttlichen Titus („divo Tito...“). Die Bezeichnung als göttlich bedeutet, dass der Kaiser bereits verstorben war, als die Inschrift angebracht wurde. Gleichzeitig liefert dies einen Datierungshinweis: Der Bogen ist nach 81 n.Chr., nach dem Tod des Kaisers, wahrscheinlich durch seinen Bruder Domitian, dem letzten flavischen Kaiser, erbaut worden.
 

Der Titus Bogen hat einen einfachen Aufbau und besteht aus nur einem einzigen Durchgang. Vier Halbsäulen mit Komposit-Kapitellen gliedern die Fassade auf beiden Seiten, nur jeweils die beiden den Durchgang flankierenden Halbsäulen sind mit Kannelluren versehen. Die Schlusssteine an den Bogenscheiteln zeigen die Göttin Roma und den Genius des Römischen Volkes. In den Bogenzwickeln schauen schwebende Siegesgöttinnen auf den Betrachter herab.
 

Der kleine Fries direkt über dem Durchgang ist nur noch auf der Ostseite erhalten und zeigt den Triumph Vespasians und Titus´ über die Juden im Jahre 71 n.Chr., zu dessen Ehren der Bogen errichtet wurde. Mehr zum Triumph über die Juden erzählen die Reliefs im Inneren des Durchgangs. Südlich wird der Festzug durch die Porta Triumphalis, also der Start des Triumphzuges gezeigt. Interessant sind die Gegenstände, die mitgeführt werden: Zu erkennen sind die aus dem Tempel von Jerusalem geraubten silbernen Trompeten und der siebenarmige Leuchter. Diese Darstellung veranlasst übrigends bis heute gläubige Juden nicht durch den Bogen zu schreiten.
Die Nordseite zeigt das Hauptereignis jedes Triumphzuges: Titus wird in der Quadriga von der Göttin Roma höchstpersönlich an den Zügeln geführt. Die Göttin Victoria steht neben ihm und setzt ihm den Siegeskranz auf. Die Gewölbedecke des Durchgangs ist aufwendig mit Kassetten geschmückt, in der Mitte sehen wir Titus wie er von einem Adler in den Himmel getragen wird (Apotheose).
 

Da weitestgehend auf üppigen Bildschmuck am Titus-Bogen verzichtet wurde, bildet die erhabene Inschrift aus bronzenen Lettern den eigentlichen Dekor des Bauwerks. Zusätzlich leistet die Darstellung der Apotheose des Titus im Gewölbe eine Repräsentation, die weniger auf die irdischen Triumphe des Kaisers zielt, sondern vielmehr auf dessen Vergöttlichung nach dem Tod. Zehn Jahre nach dem Sieg über Jerusalem erbaut, sollte der Titus-Bogen Teil einer grossen Propagandaserie der flavischen Kaiserdynastie sein, die auf keine lange Tradition zurückblicken konnte und ihre Stellung hiermit repräsentativ steigern und festigen wollte.