Septimius-Severus-Bogen

File 719Der Septimius-Severus-Bogen ist ein typisch römischer Triumphbogen mit drei Durchgängen und befindet sich damals wie heute noch in ziemlich gut erhaltenem Zustand auf dem Forum Romanum. Besonders beeindruckend ist er wegen seines Reichtums an Skulptur sowie der harmonischen architektonischen Gliederung. Eine originelle Unterscheidung zu anderen Triumphbögen bilden die zusätzlichen Bogendurchgänge an den Wänden des mittleren Durchgangs. Sie verbinden dadurch den mittleren mit den seitlichen Durchgängen.
 

Seine mächtige Grösse nimmt über 20m in der Höhe und mehr als 23m in der Breite ein. Errichtet wurde er im Jahre 203 n.Chr. zum 10jährigen Regierungsjahr des Kaisers Septimius Severus (193-211 n.Chr.) sowie zu Ehren seiner Söhne Caracalla und Geta, die alle erfolgreich gegen die Parther gekämpft hatten. Dies geht aus der Inschrift auf der Attika des Triumphbogens hervor. In der Attika befinden sich übrigends vier kleine Räume, die durch Treppen zugänglich waren.
 

Die grossen Reliefplatten über den seitlichen Durchgängen erzählen um den gesamten Bogen herum ausführlich über die Feldzüge gegen die Parther (heutiger Iran) und Araber. Die Gefangenen Roms erscheinen auf den hohen Sockeln der Säulen – am Fusse des Ehrenmonuments scheinen sie offenkundig die Last des Bogens zu tragen.
 

Eine interessante Praxis des kaiserzeitlichen Roms ist an dem Septimius-Severus-Bogen zu beobachten, nämlich die „damnatio memoriae“, die regelrechte Auslöschung aller Bilder und Erwähnungen eines Kaisers an öffentlichen Gebäuden und Urkunden. Bei der Deutung der Inschrift fand man heraus, dass in der vierten Zeile die heute zu sehenden Buchstaben nicht mit den darunterliegenden Löchern übereinstimmen. Also hatte man hier etwas entfernt und neu beschriftet. Die heute zu lesende Inschrift erwähnt Geta, den jüngeren Sohn Septimius Severus, nämlich gar nicht, sondern nur die verbliebenen Löcher lassen auf eine Widmung auch an Geta schliessen.

Geta und Caracalla waren Zeit ihres Lebens verbitterte Feinde, nach dem Tod des Vaters im Jahre 211 übernahmen die Brüder zusammen die Herrschaft. Keiner traute dem anderen, sie schirmten sich militärisch gegeneinander ab, auch das römische Volk war gespalten und erwartete fast einen Bürgerkrieg. Schliesslich lockte Caracalla seinen Bruder Geta in eine Falle, tötete ihn und wurde dadurch zum Alleinherrscher. Mehr noch, er liess zehntausende tatsächliche oder nur vermeintliche Anhänger Getas töten sowie sämtliche Münzen mit Prägungen des Bruders einschmelzen. Schon in der antiken Geschichtsschreibung ist er durch dieses Massaker nicht gut weg gekommen, eine Quelle bezeichnet ihn sogar als geisteskrank. In der Position des Kaisers musste man ihn aber ertragen, dennoch hat er Zeit seines Lebens versucht sich durch militärischen Ruhm im Römischen Reich beliebter zu machen.

Portraits des Alleinherrschers Caracalla – hervorragend in den Kapitolinischen und Vatikanischen Museen zu besichtigen – bestechen noch heute durch ihre Einzigartigkeit und man gerät schnell in Versuchung ihm die Bösartigkeit im Gesicht ablesen zu können. Tiefe kontrahierte Stirnfalten, Augen die wie von Schiessscharten überwölbt werden und nicht zuletzt der daraus entstehende niederträchtige Blick bestimmen die Züge. Doch haben die Bildhauer hier nicht versucht Caracallas herzlosen Charakter wiederzugeben, denn schliesslich gab der Kaiser seine Portraits selbst in Auftrag, sondern verwendeten diese Stilelemente um seinen Einsatz und Erfolge als militärischer Führer hervorzuheben. Trotzdem haben auch die Portraits Caracallas lange dazu beigetragen, dass er unvermeidlich als „schlechter Kaiser“ in die Geschichte einging.