Santa Maria Maggiore

File 860S. Maria Maggiore ist die erste monumentale, der Mutter Gottes geweihte Kirche und damit "Mutter" und Vorbild zahlreicher folgender Kirchengründungen. Ausserdem ist sie die grösste – daher auch der Name – aller mehr als 40 Marienkirchen Roms. Erbaut von 432-440 war sie im frühen Christentum für die Verbreitung des Marienkults von zentraler Bedeutung, erhielt den Status als eine der 7 Pilger- bzw. Hauptkirchen Roms und den als eine der 5 päpstlichen Patriachalkirchen. Den gleichnamigen Vorplatz von S. Maria Maggiore schmückt eine gigantische Säule, die zusammen mit ihrer bekrönenden Figur der Maria eine stolze Höhe von 42 m erreicht. Die Marmorsäule stammmt aus der Maxentiusbasilika (313) auf dem Forum Romanum.

File 896Nach der Vertreibung der Westgoten um 410 und der endgültigen Verdrängung des Heidentums gewann das Christentum eine immer stärker werdende Machtposition, welche es nach aussen hin mittels prachtvoller Kirchenbauten zu vermitteln suchte. Als Grabeskirche einiger Päpste sind bis heute die glanzvollen Ruhestätten im Inneren von S. Maria Maggiore zu besichtigen (Honorius III., Nikolaus IV., Pius V., Sixtus V., Clemens VIII., Paul V. und Clemens IX.). Ausserdem befinden sich in der Krypta der Kirche die Grabmäler von Mitgliedern der populären Familie Borghese sowie des Künstlers Gianlorenzo Bernini.

Trotz vielfacher Veränderungen 

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hat sich der Raumeindruck der prachtvollen päpstlichen Basilika des 5. Jh. mit ihren drei durch Säulenreihen getrennten Schiffen und der ansehnlichen, von einem Triumphbogen herrschaftlich gerahmten halbrunden Apsis bestens erhalten. Eine ihrer grössten Schätze sind die prachtvollen in Blattgold gehaltenen Mosaiken, angefangen vom 5. Jh. bis ins 13. Jh. werden Episoden aus der bibilischen Geschichte in dem für ihre Epoche typischen Mosaik-Stil wiedergegeben.

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Die heute zu sehende Kirche wurde nachweislich von Papst Sixtus III. in Auftrag gegeben. Ein Vorgängerbau auf dem Hügel des Esquilin unter Papst Liberius (352-366) ist zwar schriftlich überliefert, gilt aber als nicht gesichert an diesem Standort. Erst gegen Ende des 13. Jh. erhielt die Kirche ihr Querhaus, um die 100 Jahre später (1377) kam der prachtvolle Glockenturm, der Campanile, unter Verwendung alter romanischer Steine hinzu. Der Campanile ist mit seinen 75m der höchste in Rom und beeindruckt zusätzlich durch seinen überaus schmuckreichen Aufbau, der von Ebene zu Ebene differenziert in Erscheinung tritt. Es ist durchaus anzunehmen, dass die ausgefallene Grösse und Üppigkeit der Dekoration ein augenscheinliches Merkmal für das Aufbegehren der römischen Päpste darstellen sollte, die im 14. Jh. ihre Residenz unter Zugzwang des französischen Königs nach Avignon verlegen mussten. In jener Zeit waren die Bauinitiativen in Rom sehr dürftig, so dass mit diesem weithin sichtbaren und ornamentreichen Turm ein Symbol des Widerstands entstand.

 

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Vom 16. Jh. bis 18. Jh. setzten einschneidende Bauaktivitäten ein, die die Aussenfassade von Santa Maria Maggiore so veränderten, dass von der frühchristlichen Kirche am Aussenbau kaum mehr etwas zu sehen ist. Zu diesen Arbeiten gehört auch die barocke Neugestaltung der Chor-Aussenfassade durch Carlo Rainaldi (1670). Im Inneren der Kirche ist die ausserordentliche Erhabenheit des frühchristlichen, dreischiffigen Versammlungsraumes dennoch weitestgehend erhalten geblieben: Zwei Reihen von je 20 majestätischen marmonen Säulen mit überaus präzise gearbeiteten ionischen Kapitellen erstrecken sich im Mittelschiff. Jede einzelne Säule für sich, obwohl aus antiken Spolien (=Wiederverwendung alter Bauteile) vom Iunotempel auf dem Aventin, bildet schon eine würdevolle Erscheinung. Ihre enge und nicht enden wollende Staffelung erzeugt gleichzeitig im Auge des Betrachters einen kaum an Festlichkeit zu übersteigernden "Prozessionsweg" auf den Chor zu.