Santa Maria in Cosmedin

File 854Die beeindruckende Basilika S. Maria in Cosmedin liegt in der Nähe des Tiberufers an der Piazza Bocca della Veritá. In antik-römischer Zeit befand sich hier das Forum Boarium (Rindermarkt), das ältesten Forum Roms, von dem noch der Tempel der Fortuna Virilis und der Vestatempel erhalten sind. Der ursprüngliche Name der Kirche "Santa Maria in Schola Graeca" bezog sich auf die unzähligen griechischen Händler, die hier in der Spätantike siedelten und die Gegend zu einem "griechischen Viertel" heranwachsen liessen.

Bis auf das 1. Jh. n. Chr. kann der Bau zurückverfolgt werden. Ursprünglich bestand er nur aus einer Halle mit vorzüglich ausgearbeiteten korinthischen Säulen, die heute noch in den Mauern des linken Seitenschiffs und der Portikus zu erkennen sind. Um 500 wurde diese Halle erneuert, die Zwischenräume der Säulen zugemauert und damit der Weg zu einem geschlossenen Kirchenbau geebnet.

Papst Hadrian I. beauftragte um 780 Erweiterungsmassnahmen, bei denen die Kirche mit 3 Schiffen und einer Hauptapsis sowie 2 Nebenapsiden ausgestattet wurde. Unterhalb des Chores entstand eine ebenfalls 3-schiffige Krypta mit Querhaus und Vierung. Unvorstellbar, aber unter dem Kirchenboden erstreckt sich dieser gigantische Grabraum in ähnlicher Form und Grösse wie sein Bauwerk über ihm. Bezeichnenderweise ist die Krypta nicht gebaut, sondern aus dem Tuffstein eines früheren Tempelpodiums gehauen. Es ist die erste Hallenkrypta Roms, vermutlich ganz Westeuropas, und bildete fortan ein Standardbestandteil romanischer Kirchen.

Der Innenraum von S. Maria in Cosmedin wurde aufwendig und prunkvoll mit Mosaiken und Marmorabeiten versehen. Aus der Zeit Papst Hadrians I. stammt auch die Umbenennung und heute geläufige Bezeichnung als S. Maria in Cosmedin. Allerdings ist nicht gesichert, woher sich der Name ableitet. Eine plausible Möglichkeit ist die Übersetzung des altgriechischen Wortes "kosmema" für Schmuck, was sich mit der luxuriösen Ausstattung des Innenraums deckt. Dazu gehört auch der wunderschön anzusehende Fussboden mit aufwendigen Steinlegearbeiten der Kosmaten, der Anfang des 12. Jh. unter Papst Calixtus II. gelegt wurde. In dieser Zeit wurde auch die 2- stöckige Vorhalle und der 7- stöckige, mit aufwendigen Profilierungen versehene, sowie als einer der schönsten in Rom geltende Campanile (Turm) angefügt.

In der Vorhalle befindet sich links der berühmte Bocca della Veritá (=Mund der Wahrheit), eine antike Flussgottmaske, an deren magische Kraft man im Mittelalter glaubte: Wer die Hand in ihren Mund legte und nicht die Wahrheit sprach, sollte für immer darin gefangen bleiben.