Santa Maria in Aracoeli

File 851Die Kirche S. Maria in Aracoeli (dt. Maria im Himmelsaltar) befindet sich auf der höchsten Ebene, der Anhöhe Arx auf dem Kapitolshügel, ein Gebiet was seit der Frühzeit der Römischen Republik stets von hoher und geschichtsträchtiger Bedeutung war. Hier hoch oben über Rom bot sich eine ausgezeichnete Lage, zum Einen war der Hügel zur Sichtung von Feinden ein bedeutsamer militärischer Standort. Zum Anderen veranstalteten hier die Auguren die Vogelschau, ein hochangesehenes Amt, das dazu diente bei wichtigen öffentlichen Entscheidungen zu Schlachten, Versammlungen, Errichtung von Gebäuden und Stadtgründungen den Willen der Götter zu deuten. Dabei grenzten die Auguren in der Luft oder auf dem Boden ein Feld ab, in dem sie die göttlichen Zeichen beobachteten, wozu meteorlogische Erscheinungen, Vogelflug, Tierbewegungen und auch plötzliche Ereignisse während der Zeremonie gehörten.

Doch der Name Maria in Aracoeli stammt von einer anderen Legende: An der Stelle der Kirche befand sich seit dem 4. Jh. v.Chr. das Heiligtum der Virgo Caelestis mit dem Tempel der Juno, in dem Augustus von der Tiburtinischen Sibylle die Ankunft Christi vorhergesagt wurde. In Ehrfurcht errichtete er daraufhin den Himmelsaltar (ara coeli), der für die Kirche namensgebend wurde und sich noch heute im Inneren der Kirche in der Kapelle der Hl. Helena befindet. Der Altar stammt wirklich aus der augusteischen Zeit, doch ist die Weissagung um die Geburt Christi vielmehr eine Deutung der christlichen Literatur im Mittelalter.

Seit dem 8. Jh. ist an der Stelle der Kirche eine Klostergründung belegt, welche im 10. Jh. an den Benediktinerorden überging. Schon um 1249 veranlasste Papst Innozenz IV. eine Schenkung des Klosters an den Bettelorden der Franziskaner, welcher im Folgenden mit dem Neubau der heutigen Kirche begann.

Entstanden ist eine 3-schiffige Basilika, die sich mit ihrem breit gelagerten Mittelschiff noch an frühchristlichen Bauten orientiert, obwohl im Norden Europas bereits lange die Gotik eingezogen war. Das Mittelschiff der Säulenbasilika wird seitlich von Rundbogenarkaden begrenzt, die wiederum von unterschiedlichen Säulen getragen werden. Auch hier bediente man sich, wie im Mittelalter üblich, gern an den heidnischen Bauten der Antike – an S. Maria Aracoeli stammen die Spolien von verschiedenen Gebäuden der Kaiserforen und vom Palatin.

An den leicht spitz zulaufenden Arkadenbögen lässt sich dann doch ein zurückhaltender Einfluss der Gotik erkennen. Der einfache, quadratische Chor erfuhr durch die doppelt angelegten und prachtvollen Triumphbögen eine herrschaftlich Rahmung. Gegen Ende des 13. Jh. entstanden um den Chor herum die ersten Familienkapellen, die in ihrer Bauart als die frühesten bekannten Exemplare in Rom gelten. Diese privaten Kapellen waren sehr beliebt und bald legte man noch reichlich mehr in der Kirche an, wodurch der Bau zur 5-schiffigen Basilika erweitert wurde. Die populärste und schönste dieser Kapellen ist die 1485 mit Fresken des Künstlers Pinturicchio gefertigte Kapelle im rechten Seitenschiff.

Der Fussboden ist eine Arbeit der Kosmatenkünstler und versetzt den Betrachter heute noch ins Staunen. Als Dank für den Seesieg bei Lepanto entstand unter Papst Gregor VIII. um 1570 die prunkvoll gearbeitete Holzdecke im Inneren.

Die steile mit 124 Stufen versehene Treppe, die zur schmucklosen Fassade von S. Maria in Aracoeli hinaufführt, stiftete einst das römische Volk um 1348 als Dank für die Befreiung von der Pest. Gemeinsam mit der Rampe, die rechts der Kirche in breiten Absätzen zum Kapitol führt, bildete die Treppe eine architektonische Sensation ihrer Zeit. Heute ist die Kirche besonders wichtig für die Einwohner Roms – nicht zuletzt wegen ihres einflussreichsten Besitzes, dem Santo Bambino (Hl. Kind). Die Holzstatuette fertigte ein Franziskaner-Mönch im 15. Jh. aus einem Olivenbaum des Gartens Gethsemane an, seitdem gilt sie als wundertätiges Andachtsbild.