San Paolo fuori le Mura

File 836Die frühchristliche Basilika S. Paolo fuori le Mura (dt. Hl. Paul vor den Mauern) war bis zur Erneuerung von St. Peter der grösste und wichtigste Kirchenbau Roms. Und hätte es den grossen Brand von 1823 nicht gegeben, könnten wir uns hier an dem ursprünglichsten der bedeutungsvollsten frühchristlichen Bauten Roms erfreuen. Immerhin existieren reichlich viele Stiche und Zeichnungen, die den Zustand vor 1823 wiedergeben.

File 914S. Paolo ist eine der 7 Pilger- und Hauptkirchen sowie eine der 5 Patriachalkirchen Roms. Obgleich im exterritorialen Bereich des Vatikans gehört sie zum Vatikanstaat. Der etwas seltsam klingende Name leitet sich von der Lokalisierung des Paulus-Grabes ab, das sich ausserhalb der Aurelianischen Stadtmauer an der Strasse nach Ostia befand. Unter Kaiser Nero, zur selben Zeit wie auch Petrus, wurde Paulus mit dem Schwert enthauptet.

Unter den Kaisern Valentinian II., Theodosius und Arcadius begann man schon um 384 mit dem Bau einer 5-schiffigen Basilika, ein kleines, schützendes Häuschen über dem Grab diente bis dahin als Gedenkstätte. Innerhalb nur 10 Jahren war der Bau vollendet, der Innenraum wurde wenige Jahre später unter Honorios zwischen 400 und 410 zum Abschluss gebracht. Aus antiken Quellen geht hervor, dass ein Feuer oder Erdbeben den Bau um 441 ziemlich erschütterte. Im Zuge der Reparationsarbeiten stifteten Papst Leo I. (440-61) und Kaiserin Galla Placidia reich geschmückte Mosaiken, von denen noch einige wenige restaurierte Reste am Triumphbogen zu sehen sind.

Im Gegensatz zu anderen frühchristlichen Kirchen wurde an S. Paolo im Laufe der Jahrhunderte recht wenig umgebaut oder erneuert. 936 entstand an der Südseite eine Benediktinerabtei. Allesandro Galilei fügte im Auftrag von Papst Benedikt XIII. um 1750 der Fassade eine Portikus an.

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Unter dem Architekten Luigi Poletti fand ein aufwendiger historisierender Wiederaufbau statt, der 1854 vollendet war, durch Papst Pius IX. eingeweiht wurde und darauf zielte die Basilika in identischer Gestalt wie vor dem Brand wiederherzustellen. Weitestgehend hielt er sich an die Pläne des frühchristlichen Originalzustands, konnte den Bau in seinen Proportionen originalgetreu wiederherstellen, doch wurden auch intakte Abschnitte wie Teile des Mittel- und der Seitenschiffe sowie der komplette Campanile abgerissen. Wiederhergestellt hat Poletti die frühchristliche Raumfolge mit dem vor die Fassade gestellten Atrium.

Von aussen ist das langgestreckte Kirchengebäude recht schlicht und schmucklos, die an der Fassade angebrachten Mosaiken stammen aus den Werkstätten des Vatikan. Im Inneren zeigt sich, dass S. Paolo die erste grosse Säulenbasilika ist, deren Schiffe durch Säulenarkaden getrennt werden. Der früher offene Dachstuhl ist durch eine Kassettendecke ersetzt worden. Unglaublich beeindruckend ist die gigantische Säulenlandschaft, deren Kapitelle alle korinthischen Typs sind. Diese Fülle und Mannigfaltigkeit der einzelnen Bauglieder erfährt seinen Höhepunkt an dem übermächtigen Triumphbogen, der zu seiner Überhöhung nochmals auf stämmigen Granitsäulen ruht. Gleichzeitig veredelt seine Monumentalität gewissermassen den Zugang zur Hauptapsis und zu dem unter dem Altar liegenden Apostelgrab. Auch hier – wie in S. Cecilia – errichtete der Künstler Arnolfo di Cambio über dem Grab Pauli im 13.Jh. ein festlich bekrönendes Ziborium.

Neben den Mosaikraritäten des 9.Jh. und den Ausstattungen des 13.Jh. gibt es leider keine älteren Schmuckelemente im Innenraum. Sämtliche Dekorationen wie die 2 prunkvollen Malachit-Altäre im Querschiff von Zar Nikolaus I., die Fenster aus feinstem Alabaster des ägyptischen Königs Fuad I. sowie die einzelnen Alabastersäulen des Vizekönigs Mohammed Ali von Ägypten stammen aus dem 19.Jh., eine Zeit als S. Paolo weltweit für seine aufwendigen Restaurationsarbeiten im ursprünglichen Stil populär war.