Piazza Navona

File 716Die Piazza Navona liegt wie der Campo dei Fiori im zentralen Stadtviertel Parione. Hier wurde bis in die Mitte des 19. Jh. der grosse Markt abgehalten, der nun Hauptattraktion des Campo dei Fiori ist. Als eine der bedeutendsten barocken Platzanlagen ganz Italiens umschliesst die Piazza Navona historische Häuser, Paläste und zwei Kirchen. Drei Brunnen akzentuieren den Platz, zwei jeweils am Ende der Piazza und einer zentral in der Mitte gelegen. Die ungewöhnliche längliche Form des Platzes ist noch ein Überbleibsel aus der römischen Kaiserzeit. Unter Kaiser Domitian entstand hier von etwa 92 – 96 n.Chr. ein Stadion, eine antike Wettkampfstätte, in der Pferderennen, athletische Spiele und zeitweilig Gladiatorenkämpfe abgehalten wurden. Mauerreste des Stadions wurden dem Fundament der späteren Platzbebauung einverleibt. Erkennen kann man diese noch in den Kellern einzelner Gebäude sowie an der nördlichen Schmalseite des Platzes, wo er an die Piazza Tor Sanguigna grenzt.
 

Im File 908Mittelalter wurde die Piazza Navona weitestgehend vergessen, erst in der Frührenaissance steigerte sich mit der Betreibung des Marktes (1477), der Pflasterung des Platzes (1485) und dem Bau der Kirche S. Giacomo degli Spagnuoli ihre wirtschaftliche Bedeutung. Letztgenannte Kirche, auch als Nostra Signora del Sacro Cuore bekannt, wurde ab 1450 als Nationalkirche der Spanier durch den spanischen Prälaten Alfonso Paradinas in Auftrag gegeben. Im 19 Jh. wurde

sie aufwendig restauriert, im gleichen Zug ihre Fassade zur Piazza Navona hin verlegt. Ihre Form entspricht der einer Hallenkirche und ist damit eine der wenigen Kirchen Roms, die diesem Typus folgen.
 

File 650

Ihre heutige Gestalt erhielt die Piazza Navona hauptsächlich unter Papst Innozenz X. Pamphili (1644-55). Die Familie der Pamphili war ein altes Adelsgeschlecht aus Umbrien. Noch heute sind zahlreiche Pamphili-Wappen rund um den Platz zu sehen. Zunächst erweiterte er seinen Familienpalast, den Palazzo Pamphili direkt gegenüber der spanischen Nationalkirche. Neben dem Palazzo Pamphili entstand der neue Kirchenbau S. Agnese in Agone, der zur Grablege der Pamphili werden sollte. Weiterhin erhielt Gian Lorenzo Bernini um 1648 den Auftrag zur monumentalen Neugestaltung des Vier-Ströme-Brunnens (Fontana dei Quattro Fiumi) im Zentrum des Platzes. Er bildete ein gewaltiges

File 647

Felsmassiv, das aus dem runden Brunnenbecken aufragt und

von einem Obelisken überhöht wird. Auf den Felsen lagern entsprechend der damals vier bekannten Kontinente die Personifikationender Flüsse Ganges (mit Ruder), Nil (mit bedecktem Haupt), Rio della Plata (mit Silbermünzen) und Donau (das Papstwappen stützend). Auch der südliche Brunnen, die „Fontana del Moro“ wurde von Bernini mit einem weiteren Becken und der namensgebenden Figur des „Moro“ ausgestattet. Ihm ging ein kleinerer Brunnen, erbaut durch Giacomo della Porta um 1575 voraus. Auch der Neptunsbrunnen (Fontana di Nettuno) am nördlichen Ende stammt von Giacomo della Porta, lediglich seine Figuren sind File 938Erneuerungen des 19. Jh.
Der Grund für die städtische und repräsentative Umgestaltung durch Innozenz X. mag damit zusammenhängen, dass er seinen Wohnsitz vom Vatikan in den Palast der Familie an der Piazza Navona plante. So sollte die Piazza Navona zum Vorzeigemodell eines Platzes werden, auf dem gleichzeitig der Ruhm der Familie widerhallt und die päpstliche Weltherrschaft durch die Vier-Ströme-Allegorie vermittelt wird.
 

File 951Die Südseite der Piazza Navona wird von den Palazzi Braschi und Lancelotti-Torres (16. Jh.) umschlossen. Der Palazzo Braschi entstand Ende des 18. Jh. über einem Vorgängerbau aus dem 15. Jh. Er ist einer der letzten für einen Papst (Pius VI.) errichteten Paläste. Heute befindet sich hier das Museo di Roma. An einer Ecke des Palazzo Braschi findet sich die berühmte hellenistische Plastik des Pasquino, ein männlicher Torso, der wahrscheinlich zur Ausstattung des domitianischen Stadions diente. Der Pasquino ist eine der berühmten „sprechenden Statuen“ Roms und der einzige noch genutzte. An seinem Sockel prangern Schriften, die in Spottversen die Unzufriedenheit des Volkes gegenüber Machthabern und ihrer Politik wiedergeben. Seit dem 15. Jh. und besonders in Zeiten der mangelnden Meinungsfreiheit bildeten Statuen wie der Pasquino ein Ventil für unzufriedene Römer.