Piazza del Popolo

File 713Die Piazza del Popolo (Platz des Volkes) liegt zwischen dem Tiber und der Anhöhe des Pincio-Hügels. Einst bildete die Piazza den ersten grossen Empfang für Besucher Roms, die von Norden her durch die Porta Flaminia – heutige Porta del Popolo und der älteste Bau der Piazza (Ende 3. Jh. n.Chr.) – die Stadt betraten. Dies sollten die Päpste erst Jahrhunderte später für ihre Repräsentationszwecke neu entdecken und so entstand die Piazza wie wir sie heute sehen erst gegen Anfang des 19. Jh durch den Architekten Giuseppe Valadier, der damit den ersten klassizistischen Platz Roms schuf.

File 899Die Namensgebung der Piazza del Popolo geht auf Neuerungsarbeiten Mitte des 16. Jh. unter Papst Pius IV. an der Porta Flaminia zurück. Diese wurde nach der benachbarten Kirche S. Maria del Popolo (1472-1476) – einer der wichtigsten Kirchenbauten der Frührenaissance in Rom – in Porta del Popolo umbenannt. Wenige Jahrzehnte später liess Papst Sixtus V. den heute über 35m hohen (mit Sockel und Kreuz) ägyptischen Obelisken Flaminio im Zentrum des Platzes aufstellen und schuf damit eine von Weitem sichtbare und wegweisende Markierung des Platzes.
 

In der Mitte des 17. Jh. liess Papst Alexander VII. anlässlich des Besuches der Königin Christine von Schweden die Porta del Popolo und die Kirche S. Maria del Popolo durch Gianlorenzo Bernini neu gestalten. Dieser Besuch ist in der Inschriftentafel der Porta del Popolo festgehalten. Ferner bekrönt das Tor noch heute das stattliche Wappen Alexander VII. und ist damit eines der zahlreichen Beispiele päpstlicher Selbstdarstellung in Rom. Im Zuge seiner urbanistischen Neugestaltung entstanden auch die Zwillingskirchen S. Maria di Montesanto und S. Maria dei Miracoli. Neben Bernini war es vor allem der Architekt Carlo Rainaldi, der mit dem Bau der Zwillingskirchen ein monumentales und sakrales Eingangstor zur Stadt der Päpste in Form von 2 Kirchen schuf. Als inneres Tor liegt der Komplex unmittelbar hinter der Porta del Popolo. Gleichzeitig löste Rainaldi ein städtebauliches Problem, nämlich die architektonische Einbindung der 3 strahlenförmig verlaufenden Strassen Via del Corso, Via del Babuino und Via di Ripetta, die südlich der Piazza del Popolo beginnen.
 

Erste Entwürfe zur Neugestaltung der Piazza del Popolo als grossen „Empfangssaal“ unter Giuseppe Valadier sind von Napoleon einst abgelehnt, sowie ein französischer Architekt eingeschaltet worden. Erst mit dem Abzug der Franzosen im Jahre 1814 konnte Valadier selbst die Arbeiten ausführen.

Valadier liess den ursprünglich rechteckigen Platz links und rechts mit zwei Halbkreisen, die mittig durch Brunnen akzentuiert werden, umschliessen. Der Obelisk im Zentrum erhielt einen quadratischen Sockel mit wasserspeienden Löwen. Die vier Ecken des Platzes werden durch die gewaltigen Bauten der Kirche S. Maria del Popolo, der Dogana, der Casa Lovati und den Palazzo Torlonia betont. Für eine Harmonisierung des Platzes vereinheitlichte er die Fassaden der umlaufenden Gebäude mit Bögen und Rustikaquadern.

Auf der Anhöhe des Pincio entstand ein Volkspark, der durch eine von Brunnen und Bäumen gesäumte Treppe von der Piazza aus zugänglich ist. Inmitten der ausgedehnten Parkanlage steht die Villa Borghese, eine Stadtpalastanlage des frühen 17. Jh. für Kardinal Scipione Borghese. Von dem Pincio-Hügel aus hat man einen schönen Ausblick über die gesamte Stadt. Vor allem eröffnet der Blick über die Piazza del Popolo die grossartige und harmonische Gestaltung Valadiers, der erstmals Grossstadtarchitektur mit weitreichenden Grünanlagen verband.