Petersplatz

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Der Petersplatz ist der östlichen Fassade des Petersdoms vorgelagert und wird seitlich von den berühmten Kolonnaden Gianlorenzo Berninis begrenzt. Das über 35 000 m² grosse Areal ist Teil der Vatikanstadt und die Kolonnaden bilden die Grenzen zu Italien.

Wie auch die zahlreichen Erneuerungen des Petersdoms zählt die Anlage des Petersplatzes grösstenteils zu den baulichen Initiativen Papst Alexanders VII. (1655-67). Sein Schützling Bernini wählte einen freistehenden, 4-reihigen Säulengang, eine Bauform, die seinerzeit etwas komplett Neues darstellte. Der Platz sollte baulich nur gerahmt werden, einen (Wohn- o.ä.) Zweck sollten die Kolonnaden nicht erfüllen (sieht man von den Kolonnaden als wettergeschütztem Prozessionsweg ab). Die insgesamt 284 Säulen sind von einfacher dorischer Ordnung und jede einzelne 15m hoch. Das Gesims wird von mehreren 3,20m hohen Heiligenstatuen auf einer Ballustrade stehend bekrönt.

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Die Kolonnade schliesst den Platz nach aussen hin ab, öffnet ihn aber auch gleichzeitig, denn an jeder Stelle kann die Kolonnade durchschritten werden, macht den Platz von allen Seiten zugänglich. Versucht man allerdings vom Inneren des Platzes nach aussen zu blicken, schaut man nur auf einen engen Säulenwald, der keinen Durchblick zulässt. Diese Optik entsteht, weil die Säulen der 4 Reihen konzentrisch angeordnet sind. Nur an 2 Stellen des Platzes, nämlich jeweils in der Mitte der halbkreisförmigen Kolonnaden (auf der Höhe der Obelisken-Brunnen-Achse) dringt der Blick nach aussen, denn hier stehen die 4 Säulen in einer Flucht und lassen ihre Zwischenräume für den Durchblick frei.

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Das Zentrum des Platzes ziert ein grosser, antiker und aus Ägypten stammender Obelisk, der bereits unter Papst Sixtus V. aus dem benachbarten Circus des Nero hierher geschafft wurde. Seine Aufstellung unter dem Architekten Domenico Fontana (1586) ist bis heute eine verblüffende Ingenieursleistung, wenn man bedenkt, dass der Obelisk mehr als 300 Tonnen wiegt. Nördlich und südlich des Obelisken befinden sich zwei Brunnen, der nördliche stammt von Carlo Maderno (1614), der auch die Fassade des Petersdoms nach Michelangelos Entwürfen gestaltete, und der südliche von Carlo Fontana (1675). Die zum Petersdom führende grosse Treppe wird seitlich von den Kolossalstatuen der Apostelfürsten Petrus und Paulus flankiert, sie zieren schon seit 1462 den Petersplatz.

Den Grundriss des Platzes gestaltete Bernini (mithilfe der Entwürfe der Vorgängerarchitekten Carlo Maderno und Carlo Rainaldi) in zwei geometrische Formen: Der grössere Vorplatz hat eine elliptische Form (Piazza Obliqua) und wird von der Kolonnade eingefasst. An diesen schliesst sich der direkt vor dem Petersdom liegende Platz in Form eines Trapezes an (Piazza Retta). Die Wahl eines Trapezes wird oft als optischer Trick Berninis gedeutet, der die zu breite Fassade des Petersdoms korrigieren sollte. Die Pflasterung des Petersplatzes insgesamt ist abschüssig gearbeitet, damit dem Blick auf die religiösen Zeremonien und Menschenansammlungen auf dem Vorplatz nichts im Weg stehen kann.