Petersdom

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Der Petersdom (ital.: San Pietro in Vaticano) bildet das Zentrum des unabhängigen Staates Vatikanstadt und gilt seit jeher als das attraktivste Reiseziel vieler Besucher Roms und insbesondere des Papstes. Die Planung und der Bau dieser monumentalen und für die Christenheit symbolträchtigen Basilika auf dem Vatikanischen Hügel zog sich über 150 Jahre hin.

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Ursprünglich stand hier die Konstantinsbasilika (Alt-St.-Peter, 326-49), eine 5-schiffige Basilika im Auftrag des christenfreundlichen Kaisers Konstantin. In jener Zeit vermutete man an dieser Stelle das Grab des Apostels Petrus – unter Nero soll er mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sein – und weihte den Bau Petrus, der den Märtyrertod gestorben war.

Nach dem Verfall der Konstantinsbasilika sollte am Beginn des 16. Jh an selber Stelle Neu-St.-Peter entstehen, ein bis heute architektonisch meisterhafter Sakralbau, an dem beinah jeder namhafte Architekt seiner Zeit seine schöpferischen Ideen und Kräfte einbrachte. Grundlage aller zukünftigen Planungen war stets das Grab Petri, auf das als zentraler Punkt alle baulichen Ausführungen hinführen sollten.

File 902Mit 186,3 m Länge und 46 m Höhe ist der Petersdom die grösste christliche Kirche der Welt. Erste Gedanken zur Neugestaltung kamen von Leon Battista Alberti um 1451. Albertis Bauleiter Rosselino führte Erweiterungen am Lang -und Querhaus sowie des Chores – des sogenannten Rosselino-Chores – bis auf die Fundamente aus. Mit dem Tod Papst Nikolaus V. (1447-1455) ging schnell das Interesse und damit auch das Geld an dem Ausbau von Neu-St.-Peter verloren, so dass der Bau ca. 50 Jahre lang unbeachtet blieb.

File 917Unter Papst Julius II. erhielt Donato Bramante den gigantischen Auftrag zur vollständigen Erneuerung St. Peters, der Grundstein wurde am 18. 4. 1506 gelegt. Finanziert sollte der kostspielige Neubau durch den Ablasshandel werden, ein Umstand der zur Diskussion und Forderung nach Reformation führte und den Petersdom lange als Symbol für die Spaltung der Christenheit demonstrierte. Unzählige Pläne von Bramante und seiner Werkstatt zeugen von verschiedenen Änderungen, teils Zentralbau- oder Langhausentwürfe und damit wechselte selbst der Grundriss zwischen lateinischem und griechischem Kreuz (gleichschenklig). Ausgeführt hat Bramante und die folgenden Bauleiter nach seinem Tod um 1514, die allerdings alle seine Schüler waren (Raffael, Fra Giocondo, Giuliano da Sangallo, Baldassare Peruzzi, Antonio da Sangallo d. J. und Giulio Romano), schliesslich den Westchor (ehemaliger Rosselino-Chor) und die Vierung davor, deren starke Pfeiler die Kuppel tragen sollten. Die wichtigste Realisierung betrifft das Petrusgrab, das an Ort und Stelle verblieb und mit der zentralen Kuppel überdacht werden sollte.

File 929Als schliesslich Bramantes letzter Schüler um 1546 gestorben war, wurde der Weg frei für Michelangelo, der in genialer Form Neu-St.-Peter zur Vollendung brachte und von dem bekannt ist, dass er Bramante gegenüber feindselig war. Nach bereits 40 Jahren Bauzeit war der mittlerweile 72jährige Michelangelo der achte Architekt an Neu-St.-Peter. Teile seiner Vorgänger liess er wieder abreissen und schuf nach neuen Plänen ein helles, tonnengewölbtes griechisches Kreuz mit Konchen (halbrunder Wandabschluss) an den Enden der Kreuzarme. Die Vierung umgab er mit einem ebenfalls tonnengewölbten Wandelgang mit vier kleineren Kuppeln an den Ecken. Nach der Fertigstellung des Tambours (zylinderförmiger Unterbau der Kuppel) über dem Grab Petri lieferte Michelangelo ein herrlich eindrucksvolles Lindenholz-Modell der Kuppel, dass heute noch erhalten und in den Vatikanischen Museen ausgestellt ist. Die Kuppel mit einem Durchmesser von 42,34m entstand in nur knapp 2 Jahren (1588-90), die Laterne kurz darauf um 1593. Mehrere hundert Stufen führen zur Laterne hinauf – von hier oben aus ergibt sich ein fantastischer Blick auf den Petersplatz, den Vatikans-Hügel und nicht zuletzt panoramareif über ganz Rom. Ein Rundgang zwischen den 2 Schalen der Kuppel eröffnet dem Betrachter die eindrucksvolle architektonische und statische Leistung am Bau.

File 963Ab 1606 wurde Carlo Maderno offizieller Bauleiter von St. Peter. Madernos Pläne zeigen, dass er weitestgehend die Struktur Michelangelos erhalten wollte. Erneut schwankte man zwischen Zentralbau und Longitudinalbau, schliesslich wurde entschieden, dass dem Zentralbau ein Langhaus hinzugefügt werden sollte. Um 1612 wurde die Fassade noch nach Michelangelos Plänen fertiggestellt und bis 1621 mit den zwei Glockentürmen ergänzt. Diese sollten die Fassadenhöhe eigentlich um mehrere Stockwerke überragen. Gianlorenzo Bernini wurde von Papst Urban VIII. um 1637 mit dieser Aufgabe betraut, doch erwiesen sich die Fundamente der Glockentürme als zu schwach für einen mehrstöckigen Aufbau. So mussten die vorangeschrittenen Arbeiten wieder abgetragen werden und Bernini erlitt damit eine der empfindsamsten Niederlagen seiner Karriere. Bis heute wirkt das Erscheinungsbild der Fassade von St. Peter mit den unfertigen Glockentürmen breit und gedrungen.


Ausstattung
Bei der Ausstattung des Innenraums von St. Peter stösst man auf nicht weniger Künstlerpersönlichkeiten und ihre Werke, die wegen ihrer Schönheit niemals in Vergessenheit geraten sind: Das Universalgenie Michelangelo war auch ein grosser Bildhauer und fertigte – damals war er erst 25 Jahre alt – die wunderbar anmutende Pietà (lat. pietas: frommes Erbarmen), eine typisch spätmittelalterliche Statuengruppe mit Maria den toten Jesus im Arm haltend. Michelangelos Schöpfung des Themas beeindruckt durch Lebendigkeit, ganz aus der Nähe und vor allem von verschiedenen Seiten betrachtet, eröffnen sich dem Besucher immer wieder neue Blickwinkel sowie die überaus feine und hochglanzpolierte Marmorabeit. Maria in ihrer für damalige Zeit ungewöhnlichen Darstellung als jugendlich, steht für die ewige Jugendlichkeit der Mutter Gottes.

Direkt unterhalb der Kuppel befindet sich der Hauptaltar, der von Gianlorenzo Bernini mit dem berühmten bronzenen Baldachin (=Dach) ausgestattet wurde und der einfach auch nur "Baldacchino" genannt wird. Ein weiteres berühmtes Werk Berninis ist die Statue des "Longinus" , eine der 4 überlebensgrossen Statuen in den Nischen der Kuppelpfeiler (die anderen Hl. sind Andreas, Veronika und Helena). Dieses Heiligenprogramm betrifft die überaus kostbaren Reliquien St. Peters: Das Schweisstuch der Veronika, das Haupt des Apostels Andreas, ein Stück vom Hl. Kreuz und die Lanze des Longinus.

Die "Vatikanischen Grotten" befinden sich unterhalb des Bodens in der Krypta, die auf dem Niveau der konstantinischen Basilika von 326 entstand. Über eine Treppe in der Vierung kommt man hinab. In den Grotten sind um das Petrusgrab herum 23 der insgesamt 164 verstorbenen Päpste begraben. Zuletzt wurde hier Papst Johannes Paul II. bestattet. Die Grabdenkmäler in der Oberkirche sind zumeist Kenotaphe (leere Gräber), nur diejenigen Päpste, die heilig gesprochen wurden, sind in den gläsernen Vitrinen in der Oberkirche als Reliquien untergebracht. Besonders beeindruckende Grabdenkmäler sind diejenigen für Papst Alexander VII. (von Bernini), Innozenz VIII. (15. Jh.) und Gregor XVI. (19. Jh.).