Pantheon

File 710Das Pantheon bildet die Hauptattraktion auf der Piazza della Rotonda, wo man wahrscheinlich den teuersten Cappucino Roms bekommt. Allerdings kann sich dann doch kaum ein Besucher zurückhalten, hier in einem der vielen Cafés die Aussicht auf das besterhaltendste antike Gebäude der Stadt Rom zu geniessen.
Das Pantheon ist deshalb so gut erhalten, weil es durch die Christen weitergenutzt und umfunktioniert wurde, Bonifaz IV. weihte den Bau 609 in S. Maria ad Martyres um.

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Noch heute nennt die Inschrift Agrippa als Erbauer, der es nach der Schlacht bei Actium (31 v.Chr.), bei der Octavian (späterer Kaiser Augustus und Schwiegervater Agrippas) seinen Widersacher Marc Anton besiegte, für den ersten Kaiser in Auftrag gab (27-25 v.Chr.). Die Bezeichnung als Pantheon rührt daher, dass man einen Bau schaffen wollte, der nicht nur einer, sondern vielen Gottheiten geweiht ist.
Seine äussere Gestalt, wie wir sie heute sehen, erhielt das Pantheon erst in den ersten Regierungsjahren Kaiser Hadrians, belegt ist dies durch Ziegelstempel (118-129). Ausgrabungen ergaben jedoch, dass bereits der Bau Agrippas mit einem Pronaos (Vorhalle) und anschliessendem Rundbau ausgestattet war.
 

Die Fassade des Pantheons, die heute wie in den Boden eingegraben scheint, erhob sich ursprünglich über mehrere Stufen. Allgemein muss man bedenken, dass zu Zeiten Hadrians das gesamte Bodenniveau bis etwa 2m tiefer als heute bestand. Die Säulenvorhalle gliedert sich in 8 aus grauem Granit gehauenen Säulen korinthischer Ordnung – die Kapitelle und Basen sind aus weissem Marmor. Hinter diese erste Säulenreihe sind zwei weitere Säulenreihen gestaffelt, so dass drei Schiffe entstehen. Das grössere Mittelschiff führt direkt zum Eingang, die beiden Seitenschiffe zu Nischen, in denen die Statuen Augustus´ und Hadrians aufgestellt sind. Das heute leere Feld des Dreiecksgiebel war anhand noch auszumachender Befestigungslöcher ursprünglich mit einem bekrönten Adler geschmückt. 

 

An den Pronaos schliesst sich ein massiver Ziegelbau an, der als Verbindung zwischen Vorhalle und Rundbau dient. Links und rechts eingebaute Treppen führten zur Aussenseite der Kuppel, nur noch die linke Treppe ist erhalten.     
 

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Beim Betreten des Innenraumes beeindrucken nicht nur die monumentale Höhe der Kuppel, sondern auch die natürlichen Farben der unterschiedlichen Gesteinssorten wie Porphyr (weinrot, schwer zu bearbeiten und nur in Ägypten abzubauen), grauer Granit, Giallo Antico (gelbfarbener Marmor und sehr selten) und Pavonazetto (violettfarbener Marmor mit weissen Kalkeinlagerungen). Der Innenraum überrascht durch seine vollkommen anders gegliederte Form – von aussen vermittelt die Fassade noch einen rechteckigen Tempel, im Inneren steht man plötzlich in einer riessigen Halbkugel.
Rundherum sind 7 abwechselnd halbrunde bzw. rechteckige Nischen in die Wand eingelassen. Ausser der dem Eingang direkt gegenüberliegenden Nische befinden sich in den übrigen jeweils 3 Aedikulen (Tempelchen) und auch den Wänden zwischen den Nischen sind nochmals Aedikulen vorgelagert. Unzweifelhaft standen in diesen einst verschiedene Götterstatuen. Alle umstehenden Säulen, Pfeiler und Pilaster (einer Wand vorgelagerter (Halb-)Pfeiler als reiner Schmuck ohne tragende Funktion) tragen korinthische Kapitelle.
Über einem Porphyrfries und einem marmonen Gesims schliesst sich eine zweite Wandzone mit Pilastern und Fenstern zur Beleuchtung der Nischen an. Diese wurde in der Mitte des 18. Jh. völlig umgestaltet, ein antiker Rest ist noch rechts der Hauptnische zu erkennen.
 

Darüber setzt schliesslich der Zylinder mit der monumentalen Kuppel an. Noch heute ist sie mit 43,30 m Durchmesser die grösste in Rom. Sie wurde aus einem Stück mithilfe einer riesigen Holzverschalung gegossen und ist exakt halbkugelförmig. 5 sich verjüngende konzentrische Kreise mit jeweils 28 Kassetten gliedern die Innenseite der Kuppel. Im Scheitel schliesst sie mit einem Opaion (runde Öffnung) ab,  durch das das Sonnenlicht ruhig und gleichmässig einströmen kann. Der monumentale Eindruck des Innenraums ist auch darauf zurückzuführen, dass die Entfernung vom Boden bis zur Kuppel genau ihrem Durchmesser entspricht. Als Idealbild einer Rotunde war das Pantheon für viele Bauten vorbildlich.
 

Seit der Renaissance wurde das Pantheon in eine Grabeskirche umfunktioniert. Neben berühmten Malerpersönlichkeiten wie Raffael (1483-1520) oder Annibale Carracci (1560-1609) wurden hier später nach der Vereinigung Italiens beinah alle italienischen Könige begraben.