Palazzo Farnese

File 707Kardinal Alessandro Farnese, späterer Papst Paul III., hatte schon sehr frühzeitig die höchsten Ambitionen in Sachen Stellung und Macht. Sowohl als mächtiger Kardinal früherer Päpste als auch als Kunstsammler und Humanist war er seinerzeit berühmt. Seinen fürstlichen Ehrgeiz brachte er schliesslich mit dem Bau eines der grössten Paläste Roms für jedermann zum Ausdruck.

Der Palazzo Farnese direkt hinter dem Campo dei Fiori, den Antonio Sangallo d. J. 1516 begonnen hatte, wurde nochmals erweitert, als Farnese zum Papst ernannt wurde, obwohl der Palast in seinen Ausmassen schon vorher dem päpstlichen Status ohne weiteres entsprach. Zu allen Seiten freihstehend überragt der Palast sämtliche umliegenden Gebäude. Auch der Vorplatz war von Anfang geplant, damit dieses Juwel unter allen römischen Palästen voll und ganz zur Wirkung kommen konnte.

Der kräftige Kubus des Baus ist 3-stöckig gegliedert, das Erdgeschoss hat Rechteckfenster auf Konsolen, die beiden oberen Stockwerke sind mit Aedikulafenstern ausgestattet. Das Eingangsportal ist mit schweren Rustica eingefasst. Diese grobbelassenen Quader wiederholen sich an den Ecken des Palastes, markieren somit die Kanten des Kubus und verleihen der Palastgestalt noch mehr Festigkeit. Die mit Säulen und Pilastern eingefasste Ehrenloge mit dem darüberliegenden Farnese-Wappen über dem Eingangsportal zieht den Blick besonders und primär an. Wenn Paul III. die Loge betratt, sollte die gesamte Fassade einen fürstlicher Rahmen für seine Person darstellen. Diese Arbeit stammt von Michelangelo, der später von 1546 bis 1549 an dem Projekt arbeitete.

Von Sangallo stammt noch die quadratische Gliederung des Innenhofs, eine Form, die in der Hochrenaissance als ideal empfunden wurde. Hier stand über Jahrhunderte hinweg die berühmte nackte Statue des Herkules Farnese (heute im Nationalmuseum Neapel), eine römische Kopie des über 3m hohen griechischen Marmororiginals, welches leider verloren ging. Allerdings kopierten die Römer diesen Typus so häufig, dass er das Bild des Herkules im euroäischen Abendland bis heute prägte.

Die Gartenseite des Palazzo Farnese liegt direkt am Tiber, auf der anderen Seite des Flusses im Stadtteil Trastevere erhebt sich die prächtige Villa Farnese.

Im Todesjahr 1589 des Papstes wurden erneut Umbaumassnahmen durch Giacomo Barozzi da Vignola und Giacomo della Porta angeführt. Insbesondere vergrösserten sie die Galerie im piano nobile zu 20m in der Länge und 6m in der Breite, so dass genügend Fläche für die berühmten Fresken von Annibale und Agostino Caracci bestand. Die Deckenmalereien erzählen von dionysischen Themen wie z. B. "Der Triumph des Bacchus" von 1600. Unter Begleitung eines Führers ist es möglich den Freskensaal zu besichtigen. Heute ist der Palazzo Farnese die Residenz des französischen Botschafters, durch Erbfolge kam er damals in den Besitz der Bourbonen. Die Bibliothek der École française de Rome im Palast berherbergt wertvolle wissenschaftliche Bücher zur Archäologie und Papstgeschichte Roms.