Ostia Antica

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Wer genügend Eindrücke von Rom aufgesaugt hat und noch die Zeit und Energie für eine kleine antike Hafenstadt aufbringen kann, sollte auf jeden Fall einen Ausflug nach Ostia Antica machen. Nur 20 km von Rom entfernt, erfährt man in Ostia Antica viel Bemerkenswertes über die Lebensweise der alten Römer. Ähnlich wie Pompeji oder Herculaneum ist mit Ostia Antica eine römische Siedlung hervorragend erhalten geblieben, die allerdings etwas mehr Spass bei der Erkundung bietet, da sie weniger Touristen bekannt und dementsprechend wesentlich weniger überlaufen ist.

File 893Ostia war der grösste Hafen des antiken Roms, an der Mündung (lat.: ostia) des unteren Tibers gelegen, diente er der Versorgung der Römer. Im 4. Jh. v.Chr. wurde Ostia zunächst als Castrum (Militärstützpunkt) gegründet um die Hauptstadt vor Seeangriffen zu schützen. Auch der Seehandel wurde über den Ostia-Hafen (portus) kontrolliert und bald entwickelte sich die Siedlung zu einer der grössten und wichtigsten Hafenstädte des Imperiums.

Von den fruchtbaren Nilufern in Ägypten, das seit dem 1. Jh. v.Chr. römische Provinz war, wurde massenweise Getreide nach Rom verschifft und der Hafen von Ostia bildete das Zwischenlager auf dem Weg in die Hauptstadt. Die Kornspeicher (Sg.: horrea), in denen auch Wein und Öl gelagert wurden, sind sehr gut erhaltene Nutzbauten, insbesondere die "Horrea Epagatiana" beeindruckt mit schöner Architektur wie dem gerahmten Portal, Säulengängen und der typisch kaiserzeitlichen roten Ziegelverkleidung. Neben der "Horrea Epagatiana" schliessen sich Tabernae (Läden) an, darüber wiederum befanden sich Wohnräume, die über eine Treppe in den Tabernae zugänglich waren.

Den intensivsten baulichen Aufschwung erfuhr Ostia im 1. und 2. Jh. n.Chr. – und noch heute sind davon ein beeindruckend restauriertes Theater mit einer Säulenhalle, in die Mauern für Tabernae eingezogen wurden, erhalten. Sehr interessant sind die Mosaiken, auf denen sich Handelsvertretungen aus aller Welt mit ihren Tätigkeiten und Wappen verewigten.

File 960Viele Bürger, insbesondere Handwerker wie Gerber, Seilmacher oder Schiffsbauer zogen damals in die Stadt – zu ihrer Blütezeit zählte die Hafenstadt über 50 000 Einwohner. Aufgrund der mangelnden Fläche für genügend Wohnraum begann man über den Tabulae mehrstöckige Mietshäuser (insulae) zu bauen. Bis zu 5 Stockwerke und noch höher müssen damals geplant gewesen sein, denn ein Gesetz unter Trajan setzte die Maximalhöhe auf 60 Fuss fest. Sehr schöne Beispiele dafür sind "Casa a Giordano" und "Casa di Diana", 2 Mietshäuser, die mit mehreren Brunnen zur Versorgung der oberen Stockwerke ausgestattet sind. Die Häuser der reicheren Oberschicht sind zusätzlich mit weiträumigen Peristylhöfen, sowohl zierreichen Wandmalereien als auch Mosaikfussböden versehen – wunderbar zu betrachten im "Haus der Triklinen" und im "Haus der Musen". Ein Schatz aus der späten Blütezeit von Ostia Antica ist das "Haus von Armor und Psyche" (um 300 n.Chr.), ein prächtiges Domizil mit Bodenheizung und einem Nymphäum (Nymphenheiligtum über File 966einem Brunnen) sowie mit einem der ältesten Beispiele für eine Säulenarkade (Überspannung von Säulen mit Bögen) im Hof.

Es lohnt sich in Ostia Antica eine Führung zu buchen, denn zum Verständnis werden einige Modelle und Pläne gezeigt, die einen interessanten Einblick in die verschiedenen Entwicklungsphasen von der frühen Siedlung über die Blütezeit bishin zum langsamen Verfall im 4. Jh. dokumentieren. Ausserdem erfahren Sie viele interessante Geschichten zum Alltag der römischen Stadt, so z. B. anhand der sehr gut erhaltenen Latrinen, in denen die alten Römer auf Marmorsitzen ´gemeinschaftlich` ihre Notdurft verrichteten.