Monumento a Vittorio Emanuele II

File 734Das Monumento a Vittorio Emanuele II. ist ein Nationaldenkmal, das im Zuge der allgemeinen Nationalstaatenentwicklung des heutigen Europas im 19. Jh. und der Neugründung Italiens unter dem ersten König Vittorio Emanuele II. (1861-78) errichtet wurde. Als das Nationaldenkmal Roms ist das Vittoriano, wie es auch gern genannt wird, bei den Römern gar nicht so beliebt, denn die Erscheinung des gewaltigen Baus erinnert manch einen an eine Schreibmaschine (macchina da scrivere), andere an ein Hochzeitstortenstück (torta nunziale) und wieder andere sogar an ein strahlend weisses Gebiss.
 

Der italienische Architekt Giuseppe Saconi gewann 1884 unter 300 Mittstreitern den Wettbewerb zur Errichtung dieses Staatsdenkmals und erschuf einen monumentalen Marmorbau, der die antike Architektur wiederaufnimmt, sowohl hellenistische als auch römische Stilelemente fanden hier zusammen. Der Aufstellungsort war vorher schon festgelegt, das Staatsdenkmal sollte an der Piazza Venezia repräsentativ den Endpunkt der Via del Corso markieren und von überall in der Stadt aus zu sehen sein. Fertiggestellt wurde das Monumento Vittorio Emanuele II. erst um 1927, mehr als 20 Jahre nach dem Tod des Architekten Saconi.
 

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Der wuchtige Bau hat eine Breite von ca. 200m und eine stolze Höhe von 70m. Eine breite und nur leicht ansteigende Treppe, die links und rechts von Podesten mit Viktorien und geflügelten Löwen gerahmt wird, führt auf die erste Ebene und wird dort segmentförmig abgeschlossen. Die folgende Ebene bildet ein halbrundes, reich mit Reliefs - im Zentrum sehen wir die Stadtgöttin Roma - geschmücktes Podium auf dem sich ein Sockel befindet, der wiederum die Basis für das bronzene Reiterstandbild Vittorio Emanueles II. ist. Links und rechts dieses riesigen Podiums verlaufen die Treppen weiter nach oben, so dass man die überhöhte Reiterstatue und einen Altartisch, den Vaterlandsaltar (ital. Altare della Patria) mit dem Grabmal des "Unbekannten Soldaten" aus der Nähe betrachten kann. Der "Unbekannte Soldat" ist eine nicht nur in Italien übliche Form von Kriegsdenkmal des sich zu Staaten formierenden Europas des 19. Jh. Wie auch an der Neuen Wache in Berlin erinnert solch eine Gedenkstätte symbolisch an alle Soldaten, die für das eigene Vaterland gefallen sind.
Die oberste Ebene des Monumento Vittorio Emanuele II. bildet eine Porticus (Säulengang) mit 16 Säulen, links und rechts wird sie von Aedikulen (Tempelchen) flankiert. Im Inneren der Porticus erkennt man einen fortlaufenden, in gelbgold gemalten Fries. Abgeschlossen wird der Bau mit einem reich geschmückten Kranzgesims, auf den Seitenbauten thront jeweils eine Quadriga mit der Siegesgöttin Victoria.
 

Das Skulpturenprogramm des Monumento Vittorio Emanuele II. ist auf das italienische Reich und die ihm zu Ehren gefallenen Soldaten ausgerichtet. Seine übersteigerte Monumentalität sollte Ausdruck des neu gegründeten Vaterlandes sein. So hat man von den oberen Etagen des Baus einen tollen Blick über die Stadt Rom. Im Inneren des Baus befindet sich ein Museum, das sich mit dem Risorgimento, der Epoche in Italien, in der die einzelnen, unabhängigen Fürstentümer und Regionen zu einem italienischen Nationalstaat zusammengefasst wurden, beschäftigt.