Marcellustheater

File 701Wenn man die Besichtigung um den Circus Flaminius herum von Osten her beginnt, steht man plötzlich vor dem gewaltigen Torso des Marcellustheaters, dem grössten Theater im damaligen Rom. Unter Caesar begonnen und von Augustus fertiggestellt, überlagerte es eine Schmalseite des Circus Flaminius, so dass dieser nur noch als einfacher Platz in Erscheinung trat.

Bevor Caesar entschloss ein steinernes Theater zu bauen, wurde an derselben Stelle viele Jahre lang immer wieder ein Behelfstheater aus Holz auf- und wieder abgebaut. Die Einweihung des neuen Theaters aus Travertin und verkleidetem Gussmauerwerk fand 13 v.Chr. statt, zu einer Zeit als Marcellus, der Neffe und Erbe Kaiser Augustus´, schon verstorben war. In Gedenken wurde es dem Jungverstorbenen geweiht.

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Augustus manifestierte mit diesem Bauwerk den klassischen Typ für römische Theater. Im Gegensatz zu früheren griechischen Theater war der Zuschauerraum nicht in einen natürlichen Abhang eingebaut, sondern erhielt erstmals einen steinernen Unterbau. Im Mittelalter bewohnte die Familie der Sapelli den Bau, sie funktionierten ihn zu einer mittelalterlichen Festung um und richtete Wohnräume ein.

Der dem Theater aufgestockte Bau ist augenscheinlich nicht antik und gehört zu den Arbeiten Baldessare Peruzzis, der das Theater zu einem Renaissancepalast, dem heutigen Palazzo Orsini, umbauen liess. Im 19. Jh. schliesslich wurden die umstehenden Gebäude abgerissen und das Marcellustheater bis auf sein ursprüngliches Bodenniveau wieder freigelegt. So erkennt man heute noch die Gliederung in 3 Stockwerke, wie am später erbauten Kolosseum sind diese in Arkaden ausgeführt worden. Die untersten Arkadenbögen werden von dorischen, die mittleren von ionischen Säulen getragen. Ein geringer Rest weist darauf hin, dass das oberste Geschoss mit korinthischen Pilastern versehen war. In den Bogenscheiteln waren grotesk aussehende Theatermasken aus Marmor angebracht. Seine ursprüngliche Höhe betrug über 32m, von denen heute noch ca. 20m erhalten sind.

Der halbrunde Zuschauerraum fasste einen Durchmesser von 130m, in ihm fanden 15 000 Zuschauer Platz, allerdings berichten antike Autoren, dass bei beliebten Grossveranstaltungen auch bis zu 20 000 Leute etwas enger gedrängt hineinpassten. Von dem Bühnenhaus ist leider fast nichts mehr erhalten, die davor liegende Orchestra hatte einen Durchmesser von 37m. Rekonstruktionen und wenige Funde ergaben, dass das Bühnenhaus aus mehreren Säulen, Nischen und Statuen bestand – alles Elemente, die für eine Schauspielaufführung integriert wurden. Auch heute noch ist das Marcellustheater bewohnt, man mag es kaum glauben, aber aufgrund der zentralen Lage sind die Wohnungen bei den Römern sehr beliebte Stadtdomizile.