Lateranbasilika

File 818

Die Lateranbasilika ist die eigentliche Kathedrale des Papstes und gilt als Mutter und Haupt aller Kirchen der Welt (so in der 2-fach ausgeführten Inschrift an den Säulensockeln des Eingangs). Seit dem frühen Mitttelalter residierten hier die Päpste, erst viel später, nämlich nach der Rückkehr der Päpste aus dem Exil in Avignon (1377), gewann der Vatikanshügel und damit der Petersdom mehr an Bedeutung, u. a. weil das Gebiet leichter zu verteidigen war.

File 911Der Grundbesitz auf dem Lateran gehörte einst dem altrömischen Geschlecht der Laterani, um 65 n.Chr. fiel er durch eine Verschwörung in die Hände des julisch-claudischen Kaiserhauses. Konstantin der Grosse schenkte dieses Areal 314 n.Chr. schliesslich der Kirche unter Papst Sylvester I., wodurch die erste öffentliche Bischofskirche überhaupt entstand. Mithilfe Konstantins spendabler Unterstützung wurde kurz darauf eine 5-schiffige Basilika erbaut. Eine Statue Konstantins in der Vorhalle erinnert bis heute an den grossmütigen Spender.

Durch Kriege, Plünderungen und Erdbeben wurde die Lateranbasilika über die Jahrhunderte hinweg stark in Mitleidenschaft gezogen, doch immer wieder restauriert, so dass sie glücklicherweise bis heute in ihrer Bausubstanz erhalten ist. Domenico Fontana schuf die nördliche Querhausfassade (1586-90) und Giacomo della Porta war verantwortlich für die Erneuerung des Querhauses selbst (1597-1601). Kurz darauf drohten Wände einzustürzen und auch das Heilige Jahr 1650 rückte immer näher. So sammelten sich genügend Gründe für eine Erneuerung der Lateranbasilika, in unfassbarer Eile wurde 1647 begonnen und die Baumassnahmen schon 1649 unter strammer Organisation rechtzeitig vollendet.

Der Architekt Francesco Borromini gewann die Ausschreibung. Im Langhaus bestand die alte Bausubstanz von 15 gedrungenen Marmorsäulen auf jeder Seite, die von Bögen überspannt wurden. Da Borromini eine grosszügige und vor allem kolossale Wandgliederung vorschwebte, eliminierte er jede dritte Säule und stattete die Wand mit Kolossalpilastern aus, die das Raumgefühl von kompakt klein zu schlank und weiträumig veränderten. In den Nischen zwischen den Bogendurchgängen fanden die Statuen der 12 Apostel ihren Platz, die teilweise von Schülern Gianlorenzo Berninis stammen.

Zu jener Zeit wurde die Fassade ausgespart – erst um 1732 gewann der Florentiner Alessandro Galilei den grössten Architekturwettbewerb seiner Zeit. Die 5-achsige und 2-geschossige Fassade wird durch eine kolossale Pilasterordnung gegliedert, wobei die Geschossteilung erst bei näherer Betrachtung ins Auge fällt. Die Wand fehlt nahezu völlig und die strenge Architektur vermittelt Klarheit und Monumentalität. Anders als am Petersdom wurde hier die Höhe betont – die Nähe zum Himmlischen sollte damit ausgedrückt werden. Im völligen Gegensatz dazu wirkt der obere Abschluss mit der Ballustrade und den weitausgreifenden Figuren sehr bewegt. Auf einem geschweiften Sockel in der Mitte krönt die Christusstatue, umgeben wird sie von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten sowie den Kirchenlehrern. Dieses Heer von Heiligen prägt zusätzlich das hin zum Himmel gesteigerte Bild der Lateranbasilika.