Konstantinsbogen

File 698In unmittelbarer Nähe des Kolosseums erhebt sich der Konstantinsbogen, der wohl prächtigste unter den drei noch erhaltenen antiken Triumphbögen Roms. Er liegt an der antiken Via Triumphalis, die Strasse durch die die römischen Imperatoren nach einem Triumph Einzug in Rom hielten und die traditionell auf dem Palatin endete. Eine überaus ausführliche Inschrift auf der Attika berichtet vom Triumph Kaiser Konstantins des Grossen über seinen Widersacher Maxentius an der Milvischen Brücke (312 n.Chr.) und die Errichtung eines Bogens durch den Senat und das römische Volk.
 

Um 315 wurde der Bogen vollendet, die Einweihungsfeier am 25. Juli ist ebenfalls inschriftlich festgehalten. Die dreijährige Bautätigkeit umfasste vor allem die Anschaffung von Architekturteilen bereits vorhandener Bauten. Die Verlegung der Hauptstadt des Römischen Reiches nach Konstantinopel zeichnete sich am Beginn des 4. Jh. schon ab, so dass die wirtschaftliche Blütezeit Roms ebenfalls schwächelte und es unmöglich erschien genügend adäquate Werkstätten und Bildhauer für ein grösseres Denkmal zu finden. So wurden Denkmäler aus der Zeit Trajans, Hadrians und Commodus regelrecht ausgeschlachtet. Die Reliefs auf den Rundbildern über den beiden Seitendurchgängen sind z. B. hadrianisch (117-138). Besonders bemerkenswert an diesen ist, dass sogar einzelne Darstellungen Hadrians in Portraits Konstantins umgearbeitet wurden. Thema dieser Reliefs ist das typisch aristokratische Vergnügen der Jagd, sowie Opfergaben an die Götter Silvanus und Diana.
 

Der mittlere Durchgang ist an den Seiten jeweils mit einem Fries aus trajanischer Zeit (98-117) geschmückt. Ein Vergleich mit den Darstellungen auf der Trajanssäule spricht für den gleichen Bildhauer und wahrscheinlich stammt der Fries von der Basilica Ulpia auf dem Trajansforum. Der Fries ist Teil eines einzigen, grossartigen, 3m hohen und über 20m langen Historischen Reliefs, dessen Abgüsse im Museo della Civiltà Romana aneinandergefügt sind und so im Ganzen bestaunt werden können.
 

Der Skulpturenschmuck, der für den Konstantinsbogens selbst geschaffen wurde, besteht hauptsächlich aus den Siegesgöttinnen und Personifikationen der Jahreszeiten auf den Sockeln der 4 korinthischen Säulen, Flussgöttern in den Bogenzwickeln, Statuen von Barbaren, sowie den schmalen Friesen direkt oberhalb der beiden Seiteneingänge. Die fortlaufende Darstellung auf diesen Friesen erzählt die Geschichte von Konstantins Feldzug gegen Maxentius. Die kolossalen Reliefs auf der Attika links und rechts der Inschrift sind wiederum aus der Zeit Commodus (180-93). Dargestellt sind Geschehnisse aus den Kriegen seines Vaters Mark Aurel gegen die Markomannen. Gerahmt werden sie von jeweils zwei Dakerstatuen auf hohem Sockel.
 

Die Gegenseite des Konstantinsbogen zeigt die gleiche Anordnung des Relief- und Skulpturenschmucks, ebenso ähnliche Inhalte und die Wiederverwendung von alten Bauteilen.
 

Der Konstantinsbogen ist geradezu ein Museum der offiziellen römischen Kunst. Der seitliche Grashügel bildet einen wunderbaren Standort um sich entspannt auch die höhergelegenen Reliefs anzuschauen. Bei näherer Betrachtung sind es nicht nur die Themen, die auf frühere Kaiser und ihre Taten verweisen, sondern vor allem die stilistische Entwicklung der römischen Bildhauerkunst, die hier über einen Zeitraum von fast 200 Jahren beobachtet werden kann. So verfolgte man zu Zeiten Hadrians noch einen plastischeren und bewegteren Stil, während unter Konstantin die Figuren hierarisch gestaffelt (der Kaiser ist am höchsten, seine Untertanen sind in hierarchischer Abfolge kleiner dargestellt) und die Räumlichkeit der Umgebung beinah ganz aufgegeben scheint. Diese Rückkehr zur Fläche bildet bereits eine Vorstufe zur mittelalterlichen Kunst. Im Übrigen war auch die Verwendung einzelner Bauteile älterer Monumente eine gängige Praxis im Mittelalter. Als letztes römisches Denkmal kurz vor der Etablierung des Christentums als Staatsreligion ist der Konstantinsbogen mit seinen qualitätvollen Reliefs unterschiedlicher Stile von unschätzbarem Wert.