Kolosseum

File 695Das Kolloseum (Amphitheater der Flavier) ist das Monument Roms überhaupt, denn seine Reste sind bis heute in beeindruckender Form erhalten. Trotz Schäden durch Erdbeben, Brände, Vernachlässigung oder mutwilliger Demontage, hat es die Jahrtausende überstanden und ist bis heute noch eines der Wahrzeichen Roms. Die Bezeichnung als Kolosseum war bereits seit dem frühen Mittelalter gängig, beruht aber nicht auf der gewaltigen Grösse des Amphitheaters, sondern geht auf die kolossale, 35m hohe Bronzestatue Neros zurück, die ihn als Sonnengott darstellte und einst neben dem Kolosseum stand.

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72 n.Chr. von Vespasian begonnen, auf dem sumpfigen Gelände eines künstlich angelegten Sees der Domus Aurea (gigantische Privatvilla Neros) und anschließend von seinem Sohn Titus mit einer hunderttägigen Einweihungsfeier pompös eingeweiht, war es die grösste Vergnügungsstätte des kaiserzeitlichen Roms. Hier kämpften zur Belustigung des Kaisers und der Patriziergesellschaft wilde Tiere und Gladiatoren bis zum Tod. Aber auch Theateraufführungen und Sportveranstaltungen wurden im Kolosseum abgehalten. Übrigens wird auch von weiblichen Gladiatoren gesprochen.
 
Das Gebäude, ursprünglich dreigeschossig, wurde auf Wunsch von Titus um eine Etage aufgestockt und 80 n.Chr. fertig gestellt. Die beeindruckende Außenfassade besticht durch Halbsäulen unterschiedlicher Stile. Die unterste Zone zeigt  tragfeste und schlichte tuskanische, die zweite leichte ionische und die dritte Zone würdige korinthische Säulen. Das vierte und letzte Stockwerk grenzt sich durch die rechteckigen Fenster und  Pilaster etwas ab. Der Aufsatz eines weiteren Geschosses verlieh der gedrungenen Gestalt des Baus allerdings mehr Eleganz.

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Bei einer Länge von 186m und einer Breite von 156m, enthält das Kolloseum eine 78m in der Länge und 46m in der Breite messende Arena. Die Ränge von etwa 57m konnten ca. 50.000-55.000 Zuschauer aufnehmen, wobei diese in verschiedene soziale Schichten unterteilt waren:

Die ersten Ränge waren für den Kaiserlichen Hof, wie die Staatsbeamten, Priester und Priesterinnen vorgesehen. Der zweite Rang für die vornehmen Patrizier reserviert und der dritte und vierte Rang für das gewöhnliche Volk.

Durch ein sehr gutes Treppen- sowie Gangsystem war es möglich, dass die Zuschauer sogar nur bis zu 10 Min. benötigten, um auf ihre Plätze und anschließend wieder hinaus zu gelangen.  Ähnlich eines heutigen Fussballstadions waren die Eingangsbögen im Erdgeschoss mit Nummern versehen, die der auf der Eintrittsmarke des Zuschauers entsprach. Die aufwendigen technischen Anlagen für die Tierkäfige, Ankleide- und Übungsräume für die Gladiatoren befanden sich unter dem abnehmbaren Bretterboden der Arena. Mithilfe von Flaschenzügen wurden diese auf beeindruckende Weise in die Arena transportiert. Auch jede Art von Bühnenkulissen wurden in die Arena befördert, zeitgenössische Schriftsteller berichten voller Bewunderung wie plötzlich Hügel, Wälder u. ä. erschienen. Das komplexe System der unterirdischen Gänge kann man übrigens noch heute sehr gut bestaunen.
Auch zum Schutz der heißen römischen Sommer entwickelten die Römer schon damals ein ausgeklügeltes System. Sie statteten das Kolosseum hierfür mit speziellen Sonnensegeln aus, wodurch das Publikum wunderbar vor der Sonneneinstrahlung geschützt wurde. Für die komplizierte Aufspannung und Einholung der Segel wurden eigens Matrosen aus Misenum angestellt, die in der Nähe in einer Kaserne untergebracht waren. Anschließend konnten nun die Spiele mit kulinarischen Köstlichkeiten und Wein beginnen. Frauen kauften z.B. zu horrenden Preisen kleine Fläschchen, gefüllt mit dem Schweiß der Gladiatoren. Dies sollte damals als Aphrodisiakum dienen. Nun konnten die Kämpfe der Gladiatoren beginnen. Ist einer gestorben, wurde sein Blut mit Sand für den nächsten Kampf abgedeckt und der Tote von Aufsehern, gekleidet als Charon (düsterer, greiser Fährmann aus der griechischen Mythologie), weggetragen.
Das Kolosseum oder auch Colosseo genannt, ist nicht nur architektonisch eine Meisterleistung, sondern auch bis heute für den Ruf des römischen Volkes nämlich „panem et circenses“ (Brot und Zirkusspielen), ein Zeugnis der Römer. Man kann sich gar nicht die Ausmaße der damaligen Festspiele vorstellen, wenn man bedenkt, dass alleine bei der Einweihungsfeier bis zu 5000 Tiere zu Tode kamen. Grabinschriften an der „Via Appia“ sind heute noch als Dokumente der damaligen Zeit zu begutachten und beinhalten, dass die meisten Gladiatoren vor Ihrem letzten Kampf nicht einmal 30 Jahre alt waren.