Kirchen in Rom

File 920Die Kirchen Roms sind einmalige Zeitzeugen des aufkommenden und nach ganz Europa strahlenden Christentums seit der Spätantike. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches schrumpfte auch die Stadt und ihre Einwohnerzahl – in der Kaiserzeit war es noch eine Millionenstadt, im ausgehenden 6. Jh. zählte man zeitweise nur noch bis zu 20 000 Einwohner. Diese Zeit war gezeichnet von der Verlagerung der einst mächtigen Hauptstadt des Römischen Reiches in den Osten nach Konstantinopel (330 n. Chr.), sowie von kriegerischen Eroberungen wie die Belagerung durch die Ostgoten um 538 n. Chr., die die Aquädukte zerstörten und dadurch viele Gebiete Roms über keine Wasserversorgung mehr verfügten.

Die ältesten und traditionsreichsten Kirchen, die den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht sind, gehen bereits auf die Stiftung Kaiser Konstantin d. Gr. zurück, der den Christen erstmals Religionsfreiheit gewährte. So ist die dem Apostel Paulus geweihte Lateranbasilika (313) der erste und eigentliche Bischofssitz des Papstes und Mutter aller Kirchen, und der dem Apostel Petrus geweihte Petersdom (Alt-St.-Peter 324) enthält bis heute die ältesten Reliquien der Christenheit wie das Schweisstuch der Hl. Veronika, mit dem sich Christus das Gesicht reinigte. Andere Reliquien, die von unschätzbarem Wert sind, finden wir z. B. in S. Pietro in Vincoli (vor 439), das im stolzen Besitz der Fesseln, an die Petrus einst gekettet war, ist.

File 948Gleichzeitig verwandelten sich das Forum Romanum und andere antike Anlagen Roms in jener Zeit zu regelrechten Steinbrüchen. Unzählige antike Bauteile sind ganz besonders in frühchristliche Kirchen verbaut worden. So in der monumentalsten Marienkirche Roms Santa Maria Maggiore (440), der ersten und ältesten Marienkirche Santa Maria in Trastevere (vor 352) oder auch in der auf dem schon für das antike Rom wichtigsten Hügel, dem Kapitolshügel errichteten Santa Maria in Aracoeli (780). Andere Sakralbauten wie Santa Maria in Cosmedin (um 780) entstammen den Erweiterungen bereits vorhandener antiker Bauten, unübersehbar ist dort eine Säulenhalle in die Vermauerung der Kirche integriert worden.

Im Mittelalter lag Rom im Schlaf, es entstand keine grosse Kathedrale, die sich mit denen nördlich der Alpen oder in Norditalien gelegenen Romanik- und Gotikbauwerken vergleichen könnte. Erst mit dem Beginn der Renaissance, vor allem mit der Wiederkehr der Kirchenoberhäupter aus dem Exil in Avignon (1377) steigerte sich die Bautätigkeit in Rom, nicht zuletzt aufgrund der Repräsentationsbedürfnisse stolzer und fürstlich lebender Päpste, deren Residenz nun nicht mehr der Lateran, sondern der Vatikan werden sollte. Unter der Leitung der besten und populärsten Architekten ihrer Zeit wie Donato Bramante, Michelangelo Buonarotti, Gianlorenzo Bernini und Carlo Maderno wurde der Vatikan mit Neu-St.-Peter zur grössten Palastanlage der Welt ausgebaut. Auch andere Grosswerke wie die schönste Kirche der Frührenaissance S. Maria della Pace (beg. 1482) entstanden. Alte Kirchen wurden aufwendig restauriert, man startete regelrechte Instandsetzungsarbeiten im gesamten Stadtgebiet um die Pracht und Blüte vergangener Zeiten zurückzuholen.

Mit der Kirche Il Gesù (1568) eröffnete der berühmte Architekt Giacomo Barozzi da Vignola einen Kirchenbau, der von dem bisher streng bevorzugten Bautypus der Hochrenaissance, dem Zentralbau, erstmals abrückte und den Weg in die formendynamischere Barockarchitektur ebnete. Die prachtvolle Kirche Santa Susanna (beg. 1597) mit ihrer lebendigen und aussergewöhnlich plastisch umgesetzten Fassade entstand im Folgenden als eines der bedeutendsten Werke des Barock.