Kapitolsplatz

File 692Das Kapitol ist der kleinste Hügel der 7 Hügel Roms und er war zugleich der wichtigste, denn hier vereinte sich das religiöse und politische Zentrum des antiken Roms und damit des gesamten Römischen Reiches. Der heutige Kapitolsplatz, die Piazza del Campidoglio, liegt in einer Senke zwischen den zwei Hügelkuppen namens Capitolium und Arx des kapitolinischen Hügels. Von der Senke aus führen Treppen rechts zur Kirche S. Maria in Aracoeli (Anhöhe Arx) und links zum Garten bei der Via del Tempio di Giove (Anhöhe Capitolium). Auf der Anhöhe Capitolium befand sich einst der wichtigste Tempel des antiken Roms, der Tempel der Kapitolinischen Trias, in dem die Kultstatuen des Iupiter, der Minerva und der Iuno verehrt wurden. Auf dem Kapitolshügel endeten traditionell die Triumphzüge römischer Feldherren und der Amtsantritt von Senatoren und Konsuln wurde hier mit einem Opfer zeremoniell begangen.


File 653Obwohl die Stadt Rom längst geschrumpft war, wählte die römische Bürgerschaft im 12. Jh. erneut den Kapitolshügel als Sitz der Konservatoren (Exekutive Gewalt) und Senatoren (Judikative).
Im Jahre 1536 besuchte Karl V. die Stadt Rom. Da er sich in der Nachfolge des ersten christlichen Kaisers Konstantin sah, wollte er vom Konstantinsbogen aus durch die Stadt zum Kapitol einen Festzug veranstalten. Das Projekt scheiterte und wahrscheinlich war dies der Anlass, dass Papst Paul III. eine Neugestaltung des Platzes anging. Zunächst liess er das Reiterstandbild Mark Aurels vom Lateran hierher bringen, das im 16. Jh. noch für ein Standbild Kaiser Konstantins gehalten wurde.

Kein geringerer als Michelangelo erhielt schliesslich die Leitung über das Bauprojekt Kapitolsplatz, es war sein erster grosser Architekturauftrag.
Zunächst entstand der neue Konservatorenpalast rechts, danach sein Pendant links, der Palazzo Nuovo (1644-55), in dem sich heute die Kapitolinischen Museen befinden. Der Senatorenpalast in der Mitte ist Jahrhunderte zuvor schon über das antike Tabularium (Staatsarchiv) erbaut worden. Nun wurde er erneut nur ummantelt (1582-1605), so dass die zwei Vorgängerbauten weitestgehend erhalten blieben.

Einst war der gesamte Platz zum antiken Zentrum, dem Forum Romanum, ausgerichtet. Nun sollte die Ausrichtung auf den Machtsitz der Päpste, den Vatikan, manifestiert werden. Leider erlebte Michelangelo die Fertigstellung nicht mehr, doch ist seine Planung vorbildlich ohne nennenswerte Abstriche realisiert worden.


Die Mitte des Platzes ziert noch immer das Reiterstandbild Mark Aurels, allerdings eine Kopie dessen, das Original ist in den Kapitolinischen Museen untergebracht. Auf den Bodenplatten des Kapitolsplatz findet sich ein vielstrahliger Stern, Universum und Sonne zeigen den Kaiser in ihrer Mitte. Die Inschrift „Caput mundi“ deutet auf das damalige Selbstverständnis der christlichen Kirche, die sich nach antiker Tradition als „Haupt der Welt“ sah.

Die in den Senatorenpalast führende doppelläufige Treppe (1541-54) entstand noch zu Lebzeiten Michelangelos. Für die damalige Zeit entspricht sie einer neuartigen Lösung, die platzsparend ist und gleichzeitig den darunter liegenden Brunnen erhalten konnte. Diesen schmücken drei antike Figuren aus dem 2. Jh. n.Chr., links die Personifikation des Nils, rechts die des Tibers und in der Mitte die Stadtgöttin Roma.
Als das wichtigste Werk der Hochrenaissance gilt Michelangelos Neugestaltung des Kapitolsplatz. Der Künstler studierte und verehrte die Antike. Grösstenteils behielt er die antike Grundform des Platzes mit dem Hauptgebäude des Tabulariums, dem heutigen Senatorenpalast, bei. Eine der Grundideen der Platzgestaltung, nämlich die neue Ausrichtung auf den Vatikan, konnte darin gleichermassen verwirklicht werden.