Il Gesù

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Die Kirche "Il Gesù" (dt. Jesuskirche) stellt ein Meisterwerk im Übergang zum Barock dar, deren Erbauung durch den Architekten Giacomo Barozzi da Vignola um 1568 seinen Anfang nahm und um 1584 durch Giacomo della Porta in voller Pracht vollendet wurde. Über 200 Jahre lang danach prägte Il Gesù als Bautyp die Gestalt unzähliger Kirchen Europas, insbesondere die der Jesuiten.

Als erster sakraler Grossbau der Gegenreformation ist die Kirche Il Gesù für den Jesuitenorden von grosser Bedeutung. Der Kardinal Alessandro Farnese war ein Enkel Paul III. und gleichzeitig ein Freund der Jesuiten und grosszügiger Förderer des Kirchenbaus. Sein Name ist in dem nicht zu übersehenden Inschriftenband an der Fassade festgehalten. Allerdings sollte die Kirche auch vollkommen nach seinem Geschmack entstehen (er wollte darin auch begraben werden), die Jesusgemeinschaft fürchtete hin und wieder eine zu ausgiebige Gestaltung, die ihre liturgischen Abläufe einschränken könnte. Um 1571 wurde Vignola von dem jüngeren della Porta abgelöst, da sich der Kardinal nun für dessen Entwürfe begeisterte.

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Trotz der Kompromisse, die Kardinal Farnese den Jesuiten auferlegte, entstand ein Bau, der in Grund- und Aufriss den praktischen und theologischen Bedürfnissen des Jesuitenordens weitestgehend zusagte. Der Grundriss entspricht einem lateinischen Kreuz, was die Gegenreformatoren insbesondere in Abgrenzung zum Zentralbau als eine für Kirchen musterhafte Raumform beurteilten.

Der Innenraum besteht aus einem breiten, tonnengewölbten Langhaus mit einer Vierung, die von einer Tambourkuppel bekrönt wird. Im anschliessenden Chor befindet sich der Hauptaltar. Zu beiden Seiten des einschiffigen Langhauses befinden sich jeweils 3 Arkaden, die sich zu Kapellen mit Altären hin öffnen. Der Akzent des Innenraums ist auf die räumliche Einheit des einem grossen Saal gleichenden Langhauses gerichtet – seine geringe Länge und vor allem seine Weite machen es möglich, dass man als Besucher schon beim Eintritt in die Kirche einen freien Blick auf die lichtdurchflutete Vierung und den Hauptaltar hat. Ähnlich wie beim Petersdom wurde versucht den noch für die Renaissance typischen Grundrissgedanken eines Zentralbaus mit einem Langhaus zu verbinden und Richtung Longitudinalbau zu verwirklichen. Die Erweiterung der Vierung durch den anschliessenden Chor sowie die breiten Arme des Querhauses von Il Gesù bewirken interessanterweise, dass dieser Raumteil eher was von einem griechischen Kreuz hat und damit eindeutig Zentralraumcharakter aufweist. Somit ist hier das alte Grundproblem der Verbindung von Zentral- und Longitudinalbau gleichermassen einfach und intelligent gelöst.

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Die zweigeschossige Fassade wurde von Vignolas Nachfolger della Porta ausgeführt. Von aussen zur Fassadenmitte hin werden 3 Wandschichten voreinander geblendet, gleichzeitig nimmt der plastische Dekor zur Fassadenmitte zu. Die gestalterischen Mittel zum Zentrum hin gipfeln in dem gigantischen Wappen über dem Hauptportal ("IHS" sind die ersten 3 Letter für Jesus in altgriechischer Schrift) sowie in dem den Gesamtbau überkrönenden Dreiecksgiebel mit einem weiteren Wappen. Della Portas Fassade steht am Übergang zum Barock, bedeutende Neuerungen sind die Fassadenschichtung und die Konzentration des plastischen Dekors zur Mitte hin. Im Vergleich zur ersten wirklichen Barockfassade, die wir bis ins Detail an der Kirche Santa Susanna in Rom erkennen können, weist die Front von Il Gesù den Charakter eines bedeutenden Übergangswerkes aus.