Engelsburg

File 737Die Engelsburg, das Castel S. Angelo wie es im Italienischen heisst, liegt unmittelbar am Tiber und gehört nach dem Kolosseum zu den grössten noch erhaltenen antiken Bauwerken Roms. Wieviel beeindruckender muss der Bau erst zur Zeit der römischen Kaiser gewesen sein, denn edel schimmernde Marmorplatten mit ornamentalen Friesen verkleideten ursprünglich den gesamten Aussenbau. Davon ist heute nicht mehr viel erhalten. Allerdings war die Engelsburg für viele vergangene Herrscher und Päpste stets von Bedeutung, so dass besonders ihr Innenraum sukzessive luxuriöser gestaltet wurde. Ferner hat die Engelsburg als Zeuge für die Entwicklung des nachantiken Roms unschätzbaren Wert, der von keinem anderen historischen Bau in Rom übertroffen wird.

File 644

Nachdem im Mausoleum des ersten römischen Kaisers Augustus (regierte 27 v.Chr.-14 n.Chr.) auf dem Marsfeld kein Platz mehr war, entschied sich der antoninische Kaiser Hadrian (117-138 n.Chr.) für sich, seine Familie und nachkommende Kaiser einen monumentalen Grabbau in ähnlicher Bauweise zu errichten. Das Hadriansmausoleum, wie es einst hiess, wurde schliesslich durch den Nachfolger Antoninus Pius (139-161) im Jahre 139 fertiggestellt und geweiht. Neben den Ascheurnen Hadrians und seiner Frau Sabina ist Caracalla (211-217) der letzte hier mit Sicherheit begrabene Kaiser. Den Zugang zum Mausoleum bildete die Pons Aelius, die unmittelbar vorgelagerte und heutige Engelsbrücke. Sie ist eine der schönsten historischen Brücken Roms und ihre drei mittleren Bögen sind noch antiken Ursprungs.

Bereits in der Spätantike in die aurelianische Stadtmauer integriert und in den Jahrzehnten danach wegen seiner günstigen Lage stets aufs Neue befestigt, verlor das Mausoleum bald seinen friedlichen Charakter. Im Jahre 590 wütete die Pest in Rom und bei einer Pestprozession sah Papst Gregor I. der Grosse den Erzengel Michael auf den Grabbau herabsteigen, der ihm das Ende des "Schwarzen Todes" verkündete. Da die Seuche wirklich zurückging, erinnert noch heute eine die Engelsburg bekrönende bronzene Statue des Erzengels Michael an diese Episode.

Ende des 13. Jh. gab Papst Nikolaus III. den Auftrag die Burg durch einen unterirdischen Gang mit dem Vatikan zu verbinden. Nicht selten diente die Engelsburg als Fluchtort für Päpste in bedrohlichen Situationen. Bisweilen waren hier auch die päpstliche Schatzkammer und das Geheimarchiv untergebracht.

Im 15. Jh. wurde die Engelsburg unter den Päpsten Alexander VI. und Nikolaus V. zur Festung umgebaut, feudal ausgestattete Papstgemächer entstanden. Die Säle sind heute noch zu besichtigen, darunter gilt die Sala Paolina aus dem 16. Jh. als prachtvollstes und beeindruckendstes Gemach. Neben ihrer militärischen Funktion diente die Engelsburg zwischenzeitlich und in den folgenden Jahrhunderten auch als Gefängnis. Berühmte Gefangene waren u. a. Giordano Bruno und Galileo Galilei.

Seit dem Beginn des 20. Jh. ist der Bau restauriert und zum Museum umfunktioniert worden. Herrliche Fresken in 58 Sälen zeugen noch von seiner Entstehungszeit als Mausoleum. In den Sälen werden Waffen, Möbel, Gebrauchsgegenstände und Modelle zu den verschiedenen Bauphasen der Engelsburg ausgestellt. Im vierten Stock des Baus findet man neben der Schatzkammer die Papstgemächer. Eine Raumfolge beherbergt manieristische Fresken, die aus der Schule Raffaels stammen. Sehr zu empfehlen ist ein Besuch oben auf der Terrasse, in unmittelbarer Gegenwart des bronzenen, überlebensgrossen Engels hat man von hier aus einen der schönsten Blicke über die Stadt Rom.