Circus Maximus

File 686Der Bau des Circus Maximus, zwischen den beiden Hügeln Palatin und Aventin, war die grösste Anlage für öffentliche Aufführungen, die jemals gebaut wurde. Das Entstehungsdatum ist nicht genau bekannt, aber antike Autoren berichten von der Tatkraft des Tarquinius Priscus, des ersten Königs von Rom und somit ist der Circus Maximus so alt wie Rom selbst. In der Frühzeit Roms bestanden die Tribünen zunächst aus bemalten Holz, unzählige Zusammenbrüche verlangten auch Todesopfer. Erst seit dem 1. Jh. v.Chr. wurden bauliche Verbesserungen in Stein ausgeführt.

File 887Vor allem Wagenrennen – mit Viergespannen – wurden im Circus Maximus mit der sandigen Arena abgehalten, meistens während der zweiwöchigen Ludi Romani (Römische Spiele) im September. Die 4 Mannschaften (factiones) waren in Farben aufgeteilt und wurden dementsprechend Weiss (Albata), Rot (Russata), Grün (Prasina) und Blau (Veneta) genannt. Kaiser, reiche Patrizier aber auch das gewöhnliche Volk schlossen auf den zukünftigen Sieger Wetten ab. Die Rennen und die damit verbundene Spannung gefielen und wuchsen mit den Jahren in ihrer Bedeutung. Für das Volk war es das Zusammentreffen mit Menschen und der Nervenkitzel, für den Kaiser und Amtsinhaber ein praktischer Ort um politische Beziehungen zu pflegen. Die Mannschaften der Wagenlenker selbst steigerten ihren Ernst im 4. Jh. n.Chr. sogar soweit, dass sie den Charakter einer politischen Partei bekamen.

Viele Brände und Einstürze verlangten bauliche Restaurierungsmassnahmen, so baute beinah jeder römische Kaiser am Circus Maximus um oder aus. Im 4.Jh. n.Chr. fasste er seine grössten Dimensionen von 600m Länge und 200m Breite. Unter Caesar passten noch 150 000 Zuschauer hinein, im 4. Jh. waren es schon ganze 385 000 Zuschauer. Die Sitze für die Zuschauer lagen auf 3 Geschossen, die von Arkaden getragen wurden, alle in Stein gearbeitet, nur die oberste Reihe war aus Holz. Unter den Arkaden versammelten sich viele kleine Läden, wo die Zuschauer unterschiedliche Speisen kaufen konnten.

Um den Circus Maximus herum befanden sich einst mehrere Heiligtümer, meist Göttern geweiht, bei denen Kaufleute und Händler Schutz suchten, denn diese Kulte wurden ausserhalb der geheiligten Stadtgrenze (Pomerium) angesiedelt. 329 v.Chr. baute man an der geraden Schmalseite des Circus Maximus die Verschläge (carceres), in denen die Wagen bis zum Start warteten. 174 v.Chr. stellte man die 7 hölzernen Eier auf der Mittellinie (spina) auf, mithilfe denen auch die entferntesten Zuschauer die Runden beim Wagenrennen zählen konnten. Agrippa steigerte dies, indem er 33 v.Chr. noch 7 bronzene Delfine hinzufügte, die dem selben Zweck dienten.

An den Enden der spina befanden sich die Wendemarkierungen in Form eines Kegels (metae), unter Kaiser Claudius wurden diese aus vergoldeter Bronze ersetzt. Diese Stelle hatte einen sehr engen Radius und bildete in der Technik des Wagenlenkens die grösste Herausforderung. Stürze, Zusammenstösse und tollkühne Überholmanöver gab es oft und nicht selten war die Kurve siegentscheidend.

Über die Jahre hinweg schmückten die spina neben den Obelisken, den Eiern, den Delfinen auch noch mehrere kleine kleine Heiligtümer und Schreine. Zahlreiche Abbildungen auf Reliefs und Mosaiken (sehr ausführlich in Piazza Amerina, Sizilien) vermitteln uns eine sehr gute Vorstellung vom damaligen Geschehen. In augusteischer Zeit entstand die grosse Loge (Pulvinar) im Circus auf der Seite des Palatins; unsicher ist, ob diese Loge dem Kaiser vorbehalten war oder ob sie als heiliger Bezirk den Göttern dienen sollte, die somit an den Rennen teilnehmen konnten. Am populärsten aber ist die Aufstellung des ägyptischen Obelisken von Ramses II. auf der Metalinie im Jahre 10 v.Chr. Der 24m hohe Obelisk stammt aus Heliopolis und ist bis heute anzuschauen, denn seit 1587 ziert er die Piazza del Popolo. Erst unter Constantius II. kam um 357 n.Chr. der zweite noch gigantischere Obelisk hinzu, der mit seinen 32,50m der grösste von allen war und auch nicht verloren gehen konnte – er befindet sich heute vor der Lateranbasilika, wo ihn Sixtus V. ebenfalls 1587 aufstellen liess.